‚Doing History‘ – Geschichte zugänglich machen

Den ersten Tag unser Exkursion verbrachten wir in Lwiw. Das Lviv Center for Urban History of East Central Europe möchte Geschichtsinteressierten die wechselvolle Geschichte der Stadt auf interaktive Weise näher bringen.

Text: Saskia Heller
Fotos: Roman Boichuk, Saskia Heller

Ein paar Straßen liefen wir links und rechts bis in die Bohomoltsia Straße. Vor einem Haus aus der Österreich-Ungarischen Zeit blieben wir stehen. Das Haus wurde 1905 vom bekannten Lwiwer Architekten Iwan Lewinskyj erbaut. Seit 2006 ist es Sitz des Lviv Center for Urban History of East Central Europe, welches 2004 von Dr. Harald Binder in Wien gegründet wurde. Renoviert von innen wie von außen beherbergt das Jugendstil-Haus ein Café, Arbeitsräume, einen Konferenzraum, Gästezimmer für ausländische Wissenschaftler, eine Bibliothek sowie eine Ausstellungsfläche im Keller.

Im Lviv Center heißt uns Natalia Otrischchenko willkommen. Die Soziologin arbeitet bereits seit 2010 im Center und wirkt vollends überzeugt von ihrem Arbeitsort und welche Rolle die Forschung für die Kultur der Stadt und die Bewohner spiele. Denn das Lviv Center soll nicht nur ein Ort der Forschung sein, sondern auch der Begegnung für alle, die sich für Lokalgeschichte interessieren. Mit den Prinzipien Offenheit (gegenüber Neuem), Toleranz (in Hinblick auf Diversität und Vielfalt) und Verantwortung (für die Zukunft) stellt das Lviv Center einen wichtigen Ort für Austausch nationaler und internationaler Wissenschaftler dar. Des Weiteren tragen die zahlreichen Sammlungen von Audio-, Bild- und Videomaterial und Forschungsprojekte dazu bei die Geschichte von Lwiw sowie anderer Orte in der Ukraine besser zu verstehen.

Neben Natalia arbeiten noch etwa 30 Mitarbeiter im Lviv Center (aber auch an anderen Orten in der Ukraine), die sich um die Organisation und Durchführung von Ausstellungen, Konferenzen, Projekten, Seminaren, Sommerschulen und Workshops kümmern. Ein wichtiger Teil aller Forschenden sei das Sammeln und Digitalisieren von audio-visuellen Materialen. Wobei sie sich aber nicht als Museum verstehen und per se keine Exponate ansammeln, sondern diese nur in digitaler Form aufbewahren und zugänglich für die Öffentlichkeit machen wollen. Zusätzlich gibt es eine eigene Bibliothek, die Literatur der Forschungsschwerpunkte besitzt.

Aber warum ist dieses Zentrum für uns oder andere Menschen interessant? Das lässt sich sehr einfach beantworten, da das Lviv Center in den letzten 15 Jahren eine immense Datenbank aus den verschiedenen Projekten angelegt hat. Für unseren Fokus sind die Projekte ‚The Space of Synagogues‘, ‚Lviv Streets‘ und ‚Lviv interactive‘ von besonderer Bedeutung.

  1. The Space of Synagogues
    Bereits 2008 überlegten der damalige Bürgermeister und Teilnehmer einer Konferenz, wie man in Lwiw an die jüdische Geschichte erinnern können. Besonders dieser Ort zeichnete sich dadurch aus, dass hier die Große Stadt Synagoge und die Goldene-Rosen-Synagoge sowie das Lehrhaus Beth Hamidrash standen. Der Berliner Architekt Franz Reschke hatte die Ausschreibung des Stadtparlamentes einen Erinnerungsort zu erschaffen 2015 gewonnen.
    IMG_20190805_164846
  2. Lviv Streets
    Anhand der heutigen Karte von Lwiw hat man diese Datenbank mit den historischen Namen von Straßen und Plätzen angelegt. Dieses Projekt hat gezielt Ortsnamen aus Handbüchern, Reiseführern, Adressbüchern, Historischen Karten und Archivmaterial gesammelt, um so die Umbenennungen nachweisen zu können. Als Beispiel kann man die heutige Starojewrejs’ka Straße bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen.
    LvivStreets_Staroevreiska
  3. Lviv interactive
    In einer anderen Datenbank wurden verschiedene Orte nach Themen zusammen getragen. Nimmt man z.B. das Thema ‚Jewish City‘, dann erscheinen einige Markierungen auf dem Stadtplan von Lwiw. Über die angezeigten Punkte kann man dann noch mehr beim Anklicken dieser erfahren. InteractiveMap_Jewish City

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