Zwischen Tradition und Moderne – die Geschichte der Kosaken

Text: Florian Fuchs |

Kosaken – ein Wort, zu dem viele Leute eine grobe Vorstellung haben, bei dem aber keiner genau weiß, wer die Kosaken waren. Es gibt Don-Kosaken, die im heutigen süd-östlichen Russland lebten, und den Zaporoger Kosaken1, deren Hauptsiedlungsgebiet am Dnepr war. Um die Geschichte der Letzteren soll es in diesem Beitrag gehen, nachdem Kristin Puschmann bereits über die Rolle der Kosaken in der Ukraine in der Gegenwart geschrieben hat. Während unserer Exkursion waren wir nicht nur in einem Gebiet unterwegs, in dem damals Kosaken lebten, sondern haben uns auch intensiv mit der Identität der Kosaken auseinandergesetzt.

Ilja_Jefimowitsch_Repin_-_Reply_of_the_Zaporozhian_Cossacks_-_Yorck

»Die Zaporoger Kosaken schreiben dem Osmanischen Sultan einen Schmähbrief« – Ilja Jefimowitsch Repin, Öl auf Leinwand, 1880-1891

Der Name Kosak stammt von der Turksprache ab und bedeutet übersetzt freier Krieger. Das Gebiet, in dem sich die Kosaken niederließen, wurde im 16. Jahrhunderts als Grenzland bezeichnet. Hier, am Ufer der Flüsse Dnepr und Don, existierte keine staatliche Herrschaft und viele flohen aus den Zwängen der Leibeigenschaft der Feudalherren in dieses Gebiet. Außerdem zog es Abenteurer, verarmte Städter und Händler in diese Region.2 Sie lebten von Landwirtschaft und ab Mitte des 16. Jahrhunderts auch vermehrt von Beutezügen, die sich zunächst gegen die Krimtataren im Süden richteten. Später fanden diese Beutezüge auch zu See statt und es wurden Stellungen des Osmanischen Reichs angegriffen. Daneben verdingten sie sich auch noch als Wehrbauern3 oder Söldner für das Polnisch-Litauische sowie das Russische Reich. Vor allem Letzteres nutzte die Dienste der Kosaken immer wieder, um sich vor Angriffen der Krimtartaren zu schützen.

Durch die immer stärker werdende Unterdrückung durch das Polnische-Litauischen sowie das Russischen Reich wanderten immer mehr Bauern in das Gebiet der Kosaken. Da es zu dieser Zeit wenige entwickelte Städte gab, was auch an den Raubzügen der Krimtartaren lag, lebten die Kosaken zu Beginn in losen Siedlungen und gingen der sogenannten Steppenwirtschaft nach. Steppenwirtschaft bedeutet, dass sich eine Gruppe von rund 20 Mann zusammen auf die Jagd begibt. Mit dieser Gruppe wirtschafteten und lebten sie dann auch zusammen. Außerdem gingen die Kosaken mit dieser Gruppe auf Beutezüge. Der Anführer der Gruppe wurde jedes Jahr neu gewählt, weshalb die Kosakengesellschaft oftmals als demokratisch bezeichnet wird.4 Dieses Prinzip wurde auch in größeren Organisationsformen übernommen. Es gab einen Ring der Kosaken, der den Hetman, den obersten Anführer, wählte. Dieser herrschte dann mit militärischer Härte, konnte allerdings durch den Ring auch wieder abgewählt werden.

Im 16. Jahrhundert wurde der Zuzug immer stärker und es bildeten sich zusammenhängende Gebiete, die 1648 mit der Gründung des Hetmanats auch einen offiziellen Status bekommen hat. Diese Bezeichnung, die eigentlich mit Herr der Zaporoger Kosaken zu übersetzen ist, wurde im Laufe der Jahre auch immer wieder als „Staat“ übersetzt. Durch diese Zentralisierung und bessere Organisation gelang es den Kosaken, ihr Gebiet weiter zu vergrößern. Im 17. Jahrhundert breiteten sie sich bis nach Kiew aus und verbanden sich mit der dortigen Elite. Das führte dazu, dass die Frage der Konfession, die zu Beginn keine Rolle spielte, immer wichtiger wurde. Während es anfangs Kosaken katholischen, jüdischen und orthodoxen Glaubens gab, wurde die Ablehnung gegenüber Katholiken als auch Juden immer stärker. Die Ablehnung des Katholizismus verstärkte den Antagonismus mit dem Polnischen Reich.5

Mit dem Polnischen Königreich kam es auch immer wieder zu Auseinandersetzungen um Land. So folgte auf die Erschließung des Gebiets südlich des Dnepr durch die Kosaken ein Herrschaftsanspruch des Polnischen Reichs, das dieses Territorium in sein Gebiet integrieren wollte. Dadurch kam es immer wieder zu Aufständen und kämpferischen Handlungen zwischen den zwei Seiten, die oftmals zu Ungunsten der Kosaken ausgingen.

Von 1648 bis 1657 kam es dann zum Chmelnyzkyi-Aufstand, benannt nach dem Hetman der Kosaken Bogdan Chmelnyzkyi. Darin lehnten sich die Kosaken gegen die polnisch-litauische Feudalherrschaft auf, deren zunehmende Willkür sowie religiöser Druck auf die Orthodoxie. Nachdem die Kosaken zu Beginn schnelle Erfolge verzeichneten, mussten sie irgendwann das Russische Reich um Hilfe bitten, sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Als Gegenleistung schwor ein Großteil der Kosaken einen Treueeid auf den Zaren. Dieser Pakt, heute als Pakt von Perejaslaw bekannt, wird bis heute sehr kontrovers in der Ukraine diskutiert.6

Es gab damals drei verschiedene Kategorien von Kosaken. Einmal die klassischen „freien Kosaken“, die mit allen Freiheiten, dementsprechend auch ohne Rechte lebten. Daneben gab es die Registerkosaken, die dauerhaft dem polnischen König dienten. Diese kamen in den Genuss von Privilegien, etwa durften sie den polnisch-königlichen Boden nutzen. Die dritte Kategorie waren die Söldnerkosaken, die je nach Bedarf angeworben wurden.

Ein Phänomen, das den Zaporoger Kosaken eigen war, ist die sogenannte Zaporoger Sitsch. Auf der Insel Chortyzia, auf dem Dnepr gelegen, wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von Dmytro Wyschneweckyj, einem polnischen Feldherren, eine Militäranlage gebaut, die zur Abwehr gegen Krimtartaren errichtet wurde. Diese Kosakenfestung, die mehrmals ihren Standort wechselte, war die Hauptstadt des Hetmanats.7

Das Gebiet des damaligen Kosakenstaats wird in der heutigen ukrainischen Historiographie als der erste demokratische ukrainische Staat dargestellt.

Fußnoten:

1 Der Name entstammt aus dem ukrainischen Wort für Stromschnelle, da die Kosaken teilweise hinter den Dnepr-Stromschnellen wohnten. Wörtlich übersetzt bedeutet es so viel wie „Kosaken hinter den Stromschnellen“.

2 Vgl.: Ganzer, Christian: Sowjetisches Erbe und ukrainische Nation: Das Museum der Geschichte des Zaporoger Kosakentums auf der Insel Chortycja, Stuttgart 2005, S. 26.

3 Wehrbauern: Bauern, die zu militärischen Tätigkeiten verpflichtet sind, im Gegenzug aber Privilegien genießen.

4 Vgl.: Ganzer: S. 26.

6 Vgl. Gunkel, Christoph: „Der Ruhm Russlands, der Stolz der Sowjetunion“, in: http://www.spiegel.de/einestages/historische-krim-krisen-der-ruhm-russlands-der-stolz-der-sowjetunion-a-958231.html.

7 Vgl. : Ganzer: S. 17.

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