Warum eigentlich nicht? – Wie Studierende der Viadrina dazu kamen eine Exkursion nach Tschernobyl zu organisieren

Als sich im April eine Handvoll Studierende zusammenfand für das Blockseminar „Ökologisches Denken in Russland und Sowjetunion“ von Dr. Erik Martin und Dr. Konstantin Kaminskij, wussten wir noch nicht, dass daraus eine Exkursion entstehen würde. Nach der Einführung in das Blockseminar fragten unsere Dozenten uns, ob wir nicht Interesse hätten eine Exkursion nach Tschernobyl zu unternehmen. Ohne langes Zögern willigten wir ein. Warum denn eigentlich nicht? Ich selber habe schon in der Ukraine gelebt und mich immer gefragt, was die Menschen dort eigentlich hinzieht, aber hatte selber nie genug Interesse (oder Mut?) dorthin zu fahren. Allerdings meinten unsere Dozenten, dass diese Exkursion noch nicht existiere und wir diese selber zu organisieren hätten. Der Aufgabe gestellt, fingen wir wenig später an eine Exkursion zu planen.  Ein Konzept lag uns bereits von der Central Asia and Caucasus School for Ecological Education vor. Mit großem Engagement arbeiteten wir einen Projektentwurf aus und beantragten erfolgreich finanzielle Unterstützung bei der Fakultät. Die Idee eine Exkursion selbst zu organisieren und dabei sich mit verschiedenen Fragen auseinanderzusetzen, motivierte uns Studierende nicht nur für das Blockseminar sehr, sondern führte auch zu mehreren Planungstreffen. 

Mit dem Titel „Von der Sperrzone zum Tourismus-Hotspot: Perspektiven sozialer und ökologischer Resilienz in der Tschernobyl-Region“ wird ab dem 20. bis 24. Juli 2018 die Exkursion in die Sperrzone des zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl stattfinden. Das Ziel unserer Exkursion ist es, die wandelbare Natur des Katastrophenortes Tschernobyl zu untersuchen und zu erleben. Dieser Ort stellt trotz seines unbegreiflichen Unglücks sowohl eine verwunderliche ökologische als auch soziale Resilienz und Faszination dar. Besonders interessiert uns auch der ansteigende Tourismus. Hierzu haben wir einen Fragebogen vorbereitet, um gezielt Touristen in der Sperrzone anzusprechen. Neben der Sperrzone werden wir noch das Nationale Tschernobyl Museum in Kiew besichtigen, als auch nach Slawutytsch, der Stadt, die für die Arbeiter aus Prypjat erbaut wurde, fahren, um mit Wissenschaftlern über die Folgen einer solchen Katastrophe im Chornobyl Center zu sprechen.

Das Konzept fand auch Interesse bei Dr. Torben Philipp von der Humboldt-Universität, der mit einigen Studierenden aus seinem Seminar „Literatur und Energie“ sich uns anschließen wird. Des Weiteren wird uns Dr. Jewgenij Goldshteyn als Experte für Strahlenschutz begleiten.

Schon vor der Exkursion organisierten wir einen Vorbereitungstag am 13.07. für alle Teilnehmer und interessierte Hörer, bei dem wir den Experten für Strahlenschutz Dr. Sebastian Pflugbeil, den langjährigen Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. an die Europa Universität Viadrina einluden. Als Physiker, der schon zu Forschungszwecken etwa 100-mal in der Tschernobyl-Region (Belarus wie auch Ukraine) war und sich für die Aufdeckung der wahren Hintergründe der Reaktorkatastrophe einsetzte, hielt er für uns einen Vortrag mit dem Titel Tschernobyl–Fukushima–Deutschland, in dem er auf die tatsächlichen Auswirkungen (auch in Deutschland) der Katastrophe einging, die auch insbesondere mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 in Beziehung gesetzt wurden.

In den nächsten Tagen werden Sie hier spannende Beiträge zu Sicherheitsvorkehrungen, Katastrophentourismus und natürlich über persönliche Eindrücke der Teilnehmer lesen können. 

 

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