Deep Emotions – unser Programm in den nächsten Tagen

Wie beobachtet man eigentlich Emotionen in der Politik? In der Ukraine? Zumal mit einer Gruppe von mehr als einem Dutzend Personen, von denen nicht alle ukrainisch oder russisch sprechen? Die einfachste Antwort ist: wir müssen es ausprobieren. Hier ein paar Informationen über unser Programm in den nächsten Tagen…

Wir werden uns zunächst zwei Tage in Kiew aufhalten, um uns zu akklimatisieren und Witterung aufzunehmen. An das Klima muss man sich in der Tat gewöhnen: in der Nacht geht es an den Gefrierpunkt. Ebenfalls neu: Wir wohnen in einem richtigen Hotel mit Espressomaschine und all diesem westlichen Schnickschnack. Danke an die Konrad Adenauer Stiftung, die in diesem Jahr in Charkiw ein neues Regionalbüro eröffnet und uns kräftig unterstützt!

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In Kiew kooperieren wir mit Wissenschaftlern der Mohyla-Akademie, die ebenfalls auf einer Versuchsmission unterwegs sind: der Suche nach der richtigen Kombination von wissenschaftlicher Wertfreiheit und (gemäßigtem) Nationalismus. Wir hören einige Vorträge über die jüngeren Entwicklungen in der Ukraine, z.B. über das umstrittene Bildungsgesetz. Und wir treffen Studierende der Organisation Studrespublika, die uns drei Stunden lang über den Maidan führen werden, um an die Ereignisse der Jahre 2013/14 zu erinnern. Studrespublika steht für Student Republic und – unter anderem – eine Vision für die Ukraine im Jahr 2050. Schaun wir mal!

Und wir besuchen das Visual Culture Research Center, einen der Orte der Kiew Biennale 2017. Die Macher haben das Ziel, lokale politische Erfahrungen der Ukraine zu übersetzen und so die „uns treibenden Affekte zu kartographieren“. Die Ukraine wird so zu einem Ort, an dem internationale Politik übersetzbar wird. Und die Kunst hat im Центр візуальної культури den Anspruch, demokratische Praktiken zu thematisieren und in Einklang zu bringen mit einer sozialen Realität, die nicht immer die besten Voraussetzungen für demokratische Entwicklung bietet. Auch in Charkiw, wo sich die Gruppe ab Sonntag befinden wird, treffen wir auf Künstler und Kulturschaffende. Wir sind gespannt.

Einen weiteren Zugang zu den Gefühlslagen der ukrainischen Politik erschließen wir in der kommenden Woche im Kloster von Svjatigorsk am Steilufer des Flusses Donetsk. Das Kloster befindet sich in der Obhut des Moskauer Patriarchats der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche und vereint damit eine jener Gegensätzlichkeiten, die die Ukraine heute prägen. Wir treffen dort nicht nur Geistliche, sondern auch einen ehemaligen Minister unter Wiktor Janukowitsch. So versuchen wir, ein wenig über die Gefühlswelt der – darf man es so sagen? – „russischen“ Seite im Ukraine-Konflikt zu erfahren. Schon mehrfach haben wir das versucht, sind aber immer nur bei schrägen Typen am Rande der Zurechnungsfähigkeit gelandet. Wir glauben aber nicht, dass Distanz zum derzeitigen Regime nur von Verrückten kommen kann, siehe Korruption und Ultra-Nationalismus der sogenannten Verteidiger der Ukraine.

Stay tuned – wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

 

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