Ласкаво просимо, Добро пожаловать, herzlich willkommen!

Zum vierten Mal seit 2014 unternimmt eine Gruppe aus dem Umfeld der Europa-Studien eine Exkursion in die Ukraine. Ende September 2017 geht es los mit Studierenden, Doktoranden, Wissenschaftlern. Unsere Themen der letzten Jahre lauteten: Parlamentswahlen (2014), Sprachgebrauch und Sprachenpolitik (2015), Grenzen und Grenzregionen (2016). In diesem Jahr wenden wir uns dem russisch-ukrainischen Konflikt zu.

Uns interessiert dabei aber weniger die militärische Komponente, davon verstehen Kulturwissenschaftler sowieso nichts. Wir konzentrieren uns stattdessen auf einen Aspekt, der in der Deutung des Ukrainekonflikts bisher nur wenig Aufmerksamkeit bekommen hat: die Rolle der Emotionen.

Let’s go Emotions

In verschiedenen Zweigen der Sozial- und Geisteswissenschaft unterliegt die Beschäftigung mit den Emotionen einem regelrechten Boom. Daniel Kahneman in den Wirtschaftswissenschaften, Martha Nussbaum in der Philosophie, Gary Schaal in der Politikwissenschaft, Eva Illouz in der Soziologie, Luc Ciompi in der Sozialpsychologie stehen für eine zeitgenössische Aktualisierung einer Debatte, die von Großmeistern wie Norbert Elias oder Jon Elster schon vor Jahrzehnten geführt wurde. In ihr geht es um den Stellenwert von Emotionen für soziales Handeln: Inwiefern prägen Gefühle das, was wir zu tun für richtig halten, und welche Emotionen sind dabei mit welchen Praktiken in Verbindung zu bringen? Unser Anspruch ist, dieses theoretische Wissen (oder Versatzstücke davon) mit Blick auf die heutige Ukraine zu verwenden und zu Einsichten über die Natur der Entwicklung des Landes zu gewinnen.

Von Kiew nach Charkiw/Charkov

Beginnen werden wir unsere Reise in Kiew zwischen dem Maidan und der Mohyla-Akademie. Aber schon nach zwei Nächten geht es weiter mit dem ukrainischen ICE und seinen unverwüstlichen Snacks. Als Brennglas unserer fröhlich-wissenschaftlichen Betrachtungen dient diesmal Charkiw/Charkov. Die Stadt, in der russisch gesprochen und ukrainisch gedacht wird, hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Kulturhauptstadt der Ukraine entwickelt. Da die Kunstwissenschaft vielleicht die Disziplin ist, die Emotionen und Affekte – hinsichtlich der Rezeption und Wirkung von Kunst – am Entschlossensten in den Mittelpunkt stellt, wollen wir uns besonders intensiv mit der Kulturszene beschäftigen. Hier, aber auch auf dem weiten Feld der Zivilgesellschaft, suchen wir nach Eindrücken zu den Themen, die die Ostukraine heute am meisten beschäftigen: Wut&Krieg, Angst&Flucht, Stolz&Patriotismus.

Serhij Zhadan, der in der Ostukraine geboren wurde, aber auf Ukrainisch publiziert, ist mit seinem Werk eine besondere Inspiration. Auf ihn geht auch die Gedichtzeile zurück, die wir unserer Exkursion voranstellen: „Eine Stadt an der Front am Tag vor der Weihnacht“. Zhadans Poeme verdichten die weitverbreitete Trägheit, hoffnungslose Verzweiflung und die wilde Zuversicht in einem postsowjetischen Mesopotamien, in dem sich europäische Konflikte bündeln wie kaum an einem anderen Ort. Wir freuen uns, dabei zu sein und hoffen auf Sie:

Read-in!

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