Das historische Erbe in Lviv – Erhaltung durch Sanierung

von Antje Morgenstern

In wohl kaum einer anderen Stadt sind die multikulturellen Einflusssphären in der Baukunst und bei den architektonischen Feinheiten des Stadtbilds noch so ausgeprägt wie in Lviv. Im Jahr 1998 erklärte die UNESCO die mittelalterliche Innenstadt zum Weltkulturerbe. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet die Stadtverwaltung Lviv nun an der Erhaltung sowie der Erneuerung ihres historischen Erbes.

Unsere Exkursion erlaubte uns am Freitag, den 23. September, einen Besuch bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Die GIZ ist durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit einem Ukrainisch-Deutschen Kooperationsprojekt beauftragt worden. In Lviv befindet sich das Projektbüro für Kommunalentwicklung und Altstadtsanierung, das uns herzlich zu einem Vortrag über die Arbeit vor Ort empfing.

Das Projektbüro ist seit 2009 mit dem Ziel betreut, die historische Altstadt durch Sanierungsmaßnahmen zu erhalten, sowie den Stadterneuerungsprozess zu stärken. Dabei gibt es viele Herausforderungen, die es gilt zu überwinden. Viele der historischen Gebäude und Denkmäler befinden sich in einem schlechten Zustand, da die Bausubstanz bislang vernachlässigt worden ist. Der Stadt fehlten einerseits die finanziellen Mittel und andererseits die rechtlichen Grundlagen für eine fachgerechte Sanierung der Gebäude. Auch bildete sich erst in den letzten Jahren bei den Bürgerinnen und Bürgern das Bewusstsein für die historischen Besonderheiten der Stadt und damit der Wunsch nach deren Erhaltung. Die Stadt hat zwar das 19. und das 20. Jahrhundert unzerstört überwunden, jedoch gab es nach dem 2. Weltkrieg fast einen kompletten Bevölkerungsaustausch, was die späte Bewusstseinsbildung erklärt. Das niedrige Lohnniveau macht es zudem für viele Einwohner unmöglich, ihr Eigentum aus eigenen Mitteln instandzuhalten. Laut Aussage der GIZ-Projektleiterin in Lviv befinden sich 90 Prozent aller Gebäude und Wohnungen in Privateigentum.
Ein weiteres Problem stellt das Fehlen der nötigen Fachqualifizierung von Handwerkern und Architekten dar, um denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen durchführen zu können.

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Die GIZ versucht, diesen Herausforderungen durch eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem Amt für Denkmalpflege, sowie einem direkten Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu begegnen. Die Sanierungsmaßnahmen umfassen unter anderem die Restaurierung von historischen Haustüren, Fenstern, Fassaden, Treppenhäusern oder Balkonen.
Mit der Stadtverwaltung wurde ein Handlungskonzept für Sanierungsarbeiten entwickelt, das die Stadt nun zunehmend in ihre Verwaltungsstrukturen integriert. Zudem führt die GIZ Weiterbildungsveranstaltungen für Handwerker aus dem Baugewerbe zum Thema denkmalgerechte Sanierung durch. Finanzielle Förderungen werden ebenfalls angeboten. Jedes der Förderprogramme für die Instandsetzung alter Bausubstanz sieht eine prozentuale Eigentümerbeteiligung an den erforderlichen Maßnahmen vor. Im Vortrag wurde deutlich, dass es sehr wichtig ist die Eigentümer dabei finanziell, aber auch bei wichtigen Gestaltungsentscheidungen – wie zum Beispiel im Rahmen der Stadtwerkstatt Maisternja Mista – einzubinden. Nur so könne das Bewusstsein und die Verantwortungsbereitschaft der Zivilgesellschaft für ihr eigenes Eigentum gestärkt werden, so die Projektleiterin.

Es wurde bereits vieles geschafft. Insgesamt 1850 Haushalte konnten bisher von dem Förderprogramme profitieren. Ihnen wurde auch die Möglichkeit gegeben, sich mit ihren Ideen zum Stadterneuerungsprozess einzubringen. Über 450 Handwerker konnten zudem durch Workshops und spezielle Schulungen weierqualifiziert werden.
Bislang sind noch immer 70 Prozent der historischen Gebäude unsaniert, was ein großer Ansporn für die Stadt sein sollte, die Zusammenarbeit mit der GIZ und den Bewohnern Lvivs weiter auszubauen und zu stärken.

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