Europa entdecken mit Tempo 80

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Fürstentum in der Habsburger Monarchie, Herzstück der Bukowina, Rumänische und Sowjet-Republik – all das war Moldau. Heute ist das Land zwischen Dnister und Pruth eine unabhängige Republik, die oberflächlich betrachtet nur ein Wehwehchen hat. Was schmerzt, ist die abtrünnige Region Transnistrien, die sich als unabhängiger Staat sieht und nichts lieber will, als Mitglied der Russischen Föderation zu werden.

Die Gegend mit staatlichen Ambitionen liegt genau zwischen Moldau und der Ukraine. Genau hier verbrachten wir unseren Samstag. Und um von hier in die Westukraine zu gelangen, bietet es sich am ehesten an, die Republik Moldau zu durchqueren. Ein Stempel mehr im Pass, ein Land mehr in unserem Exkursionsplan. Wir sind gespannt darauf, was sich vom Busfenster aus erkennen lässt.

Zu erst einmal erspähen unsere Augen wieder lateinische Buchstaben. Je weiter man sich von Transnistrien entfernt, umso öfter liest man Moldauisch oder Rumänisch. Bald erreichen wir die Hauptstadt Chisinau. Der sieht man ihre sowjetische Vergangenheit an: Eine Platte reiht sich an die nächste. Denkmäler für den großen vaterländischen Krieg gibt es nicht zu knapp. Alte Damen breiten auf großen Tüchern auf dem Gehweg ihre Marktwaren aus. Ladas stellen die Mehrheit auf der Straße. Nebenbei bemerkt ist es in der Ukraine nicht anders. Eine Staatsgrenze mag effektiv sein bei der Teilung von Ländereien, bei der Teilung von Gesellschaft(en) stößt sie wiederum an ihre symbolischen Schranken.

Die kleinen Brunnen, die steinernen Rotarmisten, die erstaunlich gut erhaltenen Mosaike an Bushaltestellen anno 1960 – die sind nicht typisch moldauisch, lernen wir auf unserer Fahrt. Auf der anderen Seite des Checkpoints formt sich das gleiche Bild. Dörfer haben sich ausschließlich an Hauptstraßen geformt, dort sitzen auf alten Bänken ebenso alte Paare und schwatzen mit sich und der Nachbarschaft.

Ihre Zäune und pittoresken Brunnen scheinen die Moldauer*innen aus dem ukrainischen Grenzgebiet zu beziehen. Hier stapeln sich die Angebote an jedem Zaun, der vom Auto aus gut einsehbar ist. Jenseits der Grenze konnten wir die Frage nach grenzüberschreitendem Leben leider nicht vertiefen – die Scheiben des Busses liegen stets zwischen der Exkursionsgruppe und dem kleinen, europäischen Land, das gute 3 Millionen Einwohner hat. Mit Tempo 80 schaukeln wir also über zahlreiche Schlaglöcher weiter gen Czernowitz. Nach unserem Start im Südzipfel Odessa sind wir auf die Positionen und Perspektiven im Westen der Ukraine gespannt. Eine Region, für die Visafreiheit und EU-Pässe zum Greifen nah erscheinen.

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