Auftakt zur Exkursion 2016

Seit dem sogenannten Euromaidan im Winter 2013/14 sind Studierende der Viadrina in jedem Jahr mindestens einmal in die Ukraine gefahren. Das Ziel der Exkursionen: „Augenarbeit“ in einer Region, die vielleicht durch einige Reiseführer erschlossen ist, von deren gesellschaftlichem Reichtum man in Deutschland dennoch wenig weiß.

Im September 2016 reist nun eine 14-köpfige Gruppe erneut in das Land, das mit seiner blau-gelben Flagge den angestammten Farben der Europa-Universität Viadrina nacheifert. Beide Organisationen – der ukrainische Staat und die Viadrina – wurden 1991 neu gegründet, allerdings unter abweichenden Umständen. Die Ukraine erklärte im August ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion, während die Europa-Universität im Juni in den Herrschaftsbereich des Brandenburger Ministeriums für Wissenschaft und Kultur eingegliedert wurde. Ein weiterer wichtiger Unterschied: Die Vorgeschichte der Viadrina, die von 1506 bis 1811 als Brandenburgische Universität Frankfurt existierte, ist weitgehend unumstritten. Ganz anders die Ukraine. Eigentlich ist man sich nicht einmal einig, ob es die Ukraine zu Zeiten der alten Viadrina überhaupt schon gab.

Einen eigenständigen ukrainischen Staat verzeichnen die Geschichtsbücher jedenfalls erst seit 1991. Aber wie funktioniert er? Die Exkursion im Jahre 2014 nahm die Folgen des Euromaidan, die vermeintlich neue Politik, ausgewählte politische Kräfte und die Parlamentswahlen in den Blick. Im Jahr 2015 setzten wir uns mit Russen und Russischsprechern in der Ukraine auseinander, um uns der Frage der ukrainischen Identität zu nähern. In diesem Jahr interessieren wir uns für die Staatlichkeit der Ukraine, insbesondere für das Funktionieren des Staates.  Dabei reisen wir entlang der ukrainischen Westgrenze. Es beginnt in Odessa und geht weiter nach Transnistrien – einem anderen Staat, von dem nicht alle wissen, ob es ihn gibt und was ihn ausmacht. Von dort schwingen wir uns in den Bus nach Tschernowitz, darauf folgt Lwiw/Lemberg.

Fragen werden wir unsere Gesprächspartner in allen Städten nach den Schwierigkeiten staatlichen Handelns an der zunehmend undurchlässigen Grenze zur EU, nach der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung seit 2013/14 und danach, was das Leben in der sogenannten Nachbarschaft der EU ausmacht. Darauf freuen wir uns.

Seit über 15 Jahren hat Jan Wielgohs, Politikwissenschaftler an der Viadrina und Koordinator des Frankfurter Instituts für Transformationsforschung, Exkursionen von Studierenden und Doktoranden in den Osten Europas begleitet. Er bereitete auch diese Fahrt vor, bevor er vollkommen unerwartet am 25. August 2016 verstarb. Es ist ein schrecklicher Verlust für die Viadrina, für die Weggefährten in Frankfurt (Oder) und darüber hinaus. Wir trauern um Jan. Die Exkursion findet in seinem Gedenken statt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s