The trip

Exkursion in die Ukraine: wie kommen wir hin? Die Romantiker in unserer Gruppe entscheiden sich für den Zug. Die Fahrt beginnt viele Stunden früher als erwartet und gebucht. Die Bahn streikt. Der EC nach Warschau wird erst in Rzepin eingesetzt, 30 km hinter der polnischen Grenze. Wir kommen auf unterschiedlichen Wegen dort hin, nehmen aber nicht den offenbar eingerichteten Schienenersatzverkehr. Auf den warten wir nämlich lange über die im Internet angekündigte Abfahrtszeit hinaus. Die polnischen Mitreisenden und die Zugbegleiter diskutieren aufgeregt: po polsku, po polsku, po polsku, Deutsche Bahn, po polsku, po polsku, po polsku. Grimmig nehmen wir zur Kenntnis, dass der Begriff „Deutsche Bahn“ nun auch jenseits der deutschen Grenzen jenen Schrecken bekommen hat, den er innerhalb Deutschlands schon lange genießt.

Als es endlich losgeht: Speisewagen. Ein durch die Verspätung angenehm verkürzter Umsteigeaufenthalt in Warszawa Wschodnia. Im Zug nach Kiew sitzen Jan Wielgohs und ich mit einem Ukraine, der in Lublin seinen Zweitwohnsitz hat. An der Grenze lässt Schengen grüßen. Offenbar hat er die ihm erlaubten Aufenthaltstage überschritten. Der Grenzbeamte ist unerbittlich: „raus“! Festung Europa.

Am nächsten Morgen, der Zug zuckelt gemütlich durch die westlich Ukraine, drängen sich Vergleiche auf. Vor 20 Jahren gab es für Aus-dem-Fenster-Gucker wenige Unterschiede zwischen Polen und der Ukraine. Heute merkt man sofort, in zwei Welten unterwegs zu sein. In Polen: mittelständische Betriebe, frisch geteerte Straßen, akribisch bestellte Felder. So sieht es also aus, wenn die Gemeinsame Agrarpolitik der EU ihre Früchte preisgibt. Jenseits des Bug: Schrankenwärter an jedem Bahnübergang signalisieren dem Lokomotivführer, dass er sich nicht verfahren hat. Bäume und Sträucher wuchern wild wie die Achselhaare von Susan Sonntag. „Wir machen, was wir wollen“ – das scheint hier die Botschaft zu sein, die uns von einer größeren Zahl ukrainischer Flaggen zugerufen wird. Um kurz nach zehn beginnen die Plattenbauten der Vororte von Kiew. Wir machen uns auf die Suche nach dem Mini-Hostel mit seinen Etagenbetten, die für die nächsten drei Tage unsere Basisstation, unser Blogkraftwerk, sein wird.

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